Deutschland

Das duale Berufsausbildungssystem in Deutschland

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Das BMWi möchte interessierte Länder über die Vorteile eines an der betrieblichen Praxis orientierten Ausbildungssystems informieren und so Impulse für die Suche nach eigenen Lösungsansätzen erleichtern. Hervorzuheben ist dabei, dass der Erfolg des dualen Berufsausbildungssystems in Deutschland, aber ebenso z. B. in der Schweiz, Österreich und Dänemark, auch darauf beruht, dass das System historisch gewachsen ist. Die breite gesellschaftliche Akzeptanz spiegelt sich auch im Konsens der beteiligten Akteure im Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs wider, der unter Federführung des BMWi realisiert wurde.

  1. Praxisnahe und theoretisch fundierte Ausbildung

Kennzeichnend für das duale Berufsausbildungssystem ist die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Der Betrieb vermittelt den Auszubildenden an 3–4 Tagen pro Woche den praktischen Teil der Ausbildung, die Berufsschule vermittelt an 1–2 Tagen den theoretischen Teil. Beim „Lernen im Arbeitsprozess“ spielen die Praktiker aus den Unternehmen die Hauptrolle. Bei der Erarbeitung der Ausbildungsordnung geben sie den Input für die fachlichen Ausbildungsinhalte im Betrieb sowie für die Prüfungsanforderungen. Dies ist ein wichtiger Garant für die Akzeptanz einer Ausbildungsordnung bei den Unternehmen.

  1. Bundeseinheitliche Ausbildungsinhalte und Prüfungen

Die betriebliche Ausbildung ist geregelt in Ausbildungsordnungen, die bundeseinheitliche Standards hinsichtlich der Ausbildungsinhalte, ihrer zeitlichen Vermittlung während der Ausbildung sowie der Prüfungen festlegen. Der bundeseinheitliche Standard und ein staatlich anerkannter Abschluss wirken wie ein Qualitätssiegel, an dem sich Arbeitgeber bei der Einstellung neuer Mitarbeiter orientieren können. Arbeitnehmer finden dadurch schneller einen neuen Arbeitsplatz. Die breite Verwendbarkeit der Berufe sichert die Mobilität der im dualen System ausgebildeten Arbeitnehmer. Sie ist ein wichtiger Grund für die hohe Akzeptanz in der Wirtschaft.

  1. Ständige Aktualisierung der Ausbildung in Bezug auf den technischen und wirtschaft-lichen Fortschritt

Die Ausbildungsordnungen werden an den technischen Fortschritt, eine veränderte Berufspraxis oder an wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen angepasst. Dabei werden sie nach dem Bedarf der Wirtschaft modernisiert oder neu geschaffen. Durch die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern, die nach dem neuesten Stand der Technik ausgebildet wurden, werden Innovationen in Unternehmen und damit die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich begünstigt. Es gibt Ausbildungsberufe für alle Bereiche in Wirtschaft und Verwaltung, die Ausbildungsdauer liegt je nach Breite und Tiefe der Ausbildung zwischen zwei und dreieinhalb Jahren.

  1. Gemeinsames Handeln von Arbeitgebern und Gewerkschaften

Wenn die Inhalte eines Ausbildungsberufs an eine veränderte Berufspraxis oder den technischen Fortschritt angepasst werden bzw. ein neuer Beruf entstehen soll, geht die Initiative in der Regel von den Organisationen der Arbeitgeber aus. Nach Anhörung aller Beteiligten – insbesondere auch der Gewerkschaften – entscheidet der zuständige Bundesminister (i. d. R. das BMWi) in Abstimmung mit den für Berufsschulen zuständigen Ländern, ob die Initiative umgesetzt werden soll. Bei einem positiven Votum erfolgt die Modernisierung oder Neuschaffung eines Ausbildungsberufs. Dies geschieht gemeinsam mit Sachverständigen der Arbeitgeber und Gewerkschaften. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass die Entwicklung von Berufen an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet wird.

  1. Abstimmung zwischen betrieblichem und schulischem Lehrplan

Die Sachverständigen für die betrieblichen Ausbildungsinhalte und die Sachverständigen für die berufsschulischen Curricula arbeiten zusammen. Bei jeder Modernisierung oder Schaffung eines neuen Berufes werden auch die berufsschulischen Lehrpläne angepasst. Auf der Basis der praktischen Ausbildungsinhalte wird die theoretische Untermauerung durch die Berufsschule entwickelt. Dadurch ergänzen sich betriebliche und schulische Ausbildung.

Im Rahmen der so genannten „Lernortkooperation“ arbeiten Unternehmen vor Ort mit der für ihre Auszubildenden zuständigen Berufsschule zusammen, um eine für die Betriebe und die Region bestmögliche Ausbildung abzustimmen – ein wichtiger Baustein der Qualitätssicherung.

  1. Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung als Ergänzung für spezialisierte Unternehmen

Manche Unternehmen können infolge ihrer Spezialisierung nicht alle in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Inhalte vermitteln. In diesem Fall kann überbetriebliche Lehrlingsunterweisung als Ergänzung für spezialisierte Unternehmen bei den Handwerkskammern in Anspruch genommen werden. Sie ergänzt die betriebliche Ausbildung und trägt so zur Ausbildungsfähigkeit der Betriebe und dadurch zur Schaffung von Ausbildungsplätzen bei. Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung wird in maßgeblichem Umfang durch das BMWi finanziert.

  1. Qualifizierung des Ausbildungspersonals

Für die Ausbildung junger Menschen ist die fachliche und persönliche Eignung gesetzlich vorgeschrieben. Hierzu gehört neben der beruflichen auch eine arbeits-und berufspädagogische Kompetenz, die in einer eigenständigen Prüfung nachzuweisen ist. Diese Voraussetzungen garantieren, dass nicht nur die Ausbildungsinhalte fachlich richtig vermittelt werden, sondern die Planung und Durchführung der Ausbildung rechtlich ordnungsgemäß sowie methodisch und didaktisch auf die Besonderheiten der Auszubildenden abgestimmt erfolgen.

  1. Sicherung der Ausbildungsfähigkeit von Unternehmen durch die Kammern

Die Kammern beraten die an der Ausbildung beteiligten Betriebe, überwachen die betriebliche Ausbildung, stellen die Eignung von Betrieben und Ausbildern fest, registrieren Ausbildungsverträge und führen bundeseinheitliche Prüfun gen durch. Dadurch wird ein hohes Qualitätsniveau gesichert.

  1. Ausbildungspakt

Das duale System weist neben den geschilderten strukturellen Vorteilen eine Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung auf. Um auch in Zeiten schlechter Konjunktur eine möglichst hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen zu erreichen, wurde unter Federführung des BMWi erstmals im Jahr 2004 ein Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft geschlossen. Ziel ist es, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot zur Ausbildung oder Qualifizierung zu machen und im Sinne der Fachkräftesicherung alle Potenziale auf dem Ausbildungsmarkt zu erschließen. Dank des Paktes war es nicht erforderlich, eine (verpflichtende) Ausbildungsabgabe für nicht ausbildende Unternehmen einzuführen. Der Pakt war bislang sehr erfolgreich und ist im Oktober 2010 zum zweiten Mal verlängert und um neue Schwerpunkte ergänzt worden.

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